Traditionen neu interpretieren

“Das Neue kann der Anfang einer langen Tradition werden“  Unbekannt

Kollektivität gehörte früher in Dorf- und Siedlungsgemeinschaften zum Alltag. Gemeinschaftlich genutzte Kleinbauten unterschiedlicher Zweckbestimmung ergänzten die dörfliche und städtische Bebauung im öffentlichen Raum. Auch das Teilen der Dienstleistungen einer Gemeindeschwester, Genossenschaftsbanken oder etwa die Nutzung landwirtschaftlicher Geräte war selbstverständlich.

Die einfache Zweckarchitektur wie z.B. das Back- und Waschhaus diente in ländlichen Regionen der Grundversorgung und ist heute ein Symbol für die dörfliche Gemeinschaft. Gemeinschaftliche Aktivitäten wie das regelmäßige Treffen zum Backen und Waschen sorgten für soziale Begegnung und regen Austausch untereinander. In der Stadt war u.a. die gemeinschaftliche Nutzung der sanitären Einrichtungen wie dem Badehaus, dem Toilettenhäuschen oder der Etagentoilette im Mehrfamilienwohnhaus allgemein üblich.

Wohnhöfe in der Stadt haben Tradition: Die Hofarchitektur – bestimmt für arme und alte Menschen – hat ihren Ursprung in den Niederlanden. Diese Höfe wurden durch private Bürger gegründet und verwaltet. Vorgänger sind die Beginenhöfe aus dem 12. Jahrhundert. Inzwischen ist der große soziale und kulturelle Wert dieser städtischen Wohnform wiederentdeckt worden. 

Individualisierung, staatliche Sozialversicherungen, Wohlstand usw. prägen unsere heutige Gesellschaft. Inzwischen haben relevante Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung zu sozialen Innovationen geführt. Immer mehr Menschen sind bereit gemeinschaftliche Projekte zu initiieren und die verschiedensten gemeinschaftliche Aktivitäten zu unternehmen. Dabei beziehen sich städtische Baugruppen auf das bewährte soziale und räumliche Gefüge der traditionellen Dorfgemeinschaften.

In naher Zukunft steigt die Anzahl der Menschen mit einem Lebensalter über 65. Eine Neuinterpretation der sozialen und räumlichen Strukturen von früher kann dazu beitragen, gemeinschaftlich die Daseinsvorsorge für alle zu gewährleisten.

Merkmale für neue Wohn- und Lebenskonzepte:

  • gemeinschaftlich Projekte initiieren
  • soziale Interaktionen verstärken, soziales Netzwerk erweitern
  • zusammen Aktivitäten unternehmen
  • Räumlichkeiten teilen zwecks Zusammenarbeit, Aktivitäten teilen, einander helfen
  • Kosten reduzieren durch kollektives Nutzen von Gemeinschaftsräumen
  • privaten Wohnraum flexibel, nachhaltig und bedarfsgerecht entwickeln
  • unterschiedliche Wohnungstypologien planen
  • unterschiedliche Pflegemodelle für unterschiedliche Bedürfnisse anbieten
  • Pflege und Betreuung anbieten: Versorgung 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche durch formelle und informelle Pflege

SELBSTBESTIMMT UND FLEXIBEL